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Ethik in der Erwachsenenbildung

Sonntag, 15. August 2021

Dass die praktische Pädagogik ein zutiefst ethisches Handlungsfeld ist, wird niemand bestreiten wollen. Fraglich ist aber, wie gut sie in der Hochschullehre gelehrt wird (wo ich ausgebildet wurde) und welche ethische Ressourcen Erwachsenenpädagogen später im Feld, also der Praxis, mobilisieren können, um „dem Guten“, also dem Ziel jeder Ethik, Vorschub zu leisten.
Gleichzeitig zerfällt „die Erwachsenenpädagogik“ in einen riesigen unterschiedlichen Bereich, der sowohl in seiner Mehrebenen-Struktur, wie in den darin angestrebten Aufgaben und Zielen kaum übersichtlich ist. Die Größe der Akteure erstreckt sich von der bundesweiten halbstaatlichen Institution bis zur lokalen One-Woman-Beratung und der Grad der personalen Professionalisierung geht von der persönlichen Berufung im Nebenerwerb bis zu wissenschaftlich kodifizierten Vollzeit-Arbeitsstellen von – eben – „professioneller Pädagogik“.
Kann auf diesem parzellierten Feld überhaupt eine bereichsübergreifende Ethik gelten? Und wenn ja, wie würde diese aussehen? Das soll in dieser Rubrik in verschiedenen Stücken beleuchtet und diskutiert werden.

Bereichsübergreifend?

Ich denke, dass es eine „einheitliche Feldethik“, wie sie etwa die Juristerei oder die Medizin kennt, für „die Erwachsenenbildung“ nicht geben kann, weil der Bereich der Erwachsenenbildung, wie oben bereits beschrieben, zu heterogen ist, um darin einen allgemeinen einen ethischen Handlungsrahmen einzurichten. Dieser würde und müsste sich ja auch stets auf ein personales Handeln beziehen und dieses personale Handeln ist m.E. der Zugang zu einer funktionierenden Ethik der Erwachsenenbildung. Man müsste also fragen, wie man in der jeweils handelnden Person und in ihren jeweiligen beruflich verankerten Handlungssituationen ein Bewusstsein für eine pädagogische Ethik schaffen und pflegen könnte.