Working Out Loud - eine bildungswissenschaftliche Leerstelle

Freitag, 27. März 2020

Ein selbstgesteuerter Kurs über drei Monate gegen das Gefühl der Sinnlosigkeit bei der Arbeit und die innere Kündigung! Interessiert daran?
Die 2015 von John Stepper vorgestellte Methode „Working Out Loud“ interessiert auf jeden Fall Personalverantwortliche und Coaches, die hier ein Paradebeispiel von „New Work“ sehen, also einer neuen selbstbestimmten Arbeitskultur. Aber auch die Angestellten vieler großer deutscher Unternehmen – BMW, Daimer, Bosch – kennen #WOL und machen #WOL-Gruppen.
WOL ist eine Graswurzelbewegung, so sagt das deutsche WOL-Wiki , das auch viele gute Unterlagen zur Methode bietet.

Und doch bleiben Fragen aus Sicht der Bildungswissenschaft. Denn wenn Working Out Loud eine Lernmethode zur Veränderung von Gewohnheiten und privater Weltsicht ist, dann kann sie – wie jedes Lernangebot – nicht alle und jeden erreichen. Und man weiß aus Erfahrung, dass gerade Gewohnheiten schwer zu verändern sind. Und verändern personale Gewohnheiten auch strukturelle Arbeitsbedingungen?
Die mediale Begeisterungswelle verrät aktuell nichts über Widerstände, Drop-Out-Raten, oder die empirische Verteilung von Zustimmung und Ablehnung sowie reale Veränderungen der Arbeitswelt. Es erscheinen nur die positiven Gesichter von begeisterten Teilnehmern und jenen Akteuren, die als Coaches oder Beteiligte an der Verbreitung der Methode interessiert sind und also voreingenommen.

Wo sind die weniger begeisterten Teilnehmer? Welche tatsächlichen Zahlen lassen sich zu Engagement und Verweigerung, zu Veränderung und Beharren finden?

Um das herauszubekommen möchte ich zunächst das Curriculum von Working Out Loud untersuchen. Ich setze dafür in einem ersten Schritt auf die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, um objektive Kategorien des Diskurses zu extrahieren. Wenn diese sicheren Grundlagen von Working Out Loud gefunden sind, kann man in einem zweiten Schritt nachprüfen, ob und wie und in welchem Umfang diese Kategorien in dieser Lernform verwirklicht werden. Dieser Schritt bedeutet dann eine klassische Umfrage mit Fragebogen.
Zu diesem Zweck habe ich die Website „Wol-Watching.de“aufgesetzt. Dort kann man die Entwicklung dieser Untersuchung nachverfolgen. Außerdem gibt es dort weiteres Material und Literatur.

Dieses Projekt soll auch eine empirische gestützte Fortführung meines Einführungsartikels Working Out Loud – eine neue Gruppenlerntechnik als zeitgeschichtliches Phänomen?“ sein. Der Artikel ist frei online.